[Nach Sevilla, nach Sevilla]

[122] Nach Sevilla, nach Sevilla,

Wo die hohen Prachtgebäude

In den breiten Straßen stehen,

Aus den Fenstern reiche Leute,

Schön geputzte Frauen sehn,

Dahin sehnt mein Herz sich nicht!


Nach Sevilla, nach Sevilla,

Wo die letzten Häuser stehen,

Sich die Nachbarn freundlich grüßen,

Mädchen aus dem Fenster sehn,

Ihre Blumen zu begießen,

Ach, da sehnt mein Herz sich hin!


In Sevilla, in Sevilla

Weiß ich wohl ein reines Stübchen,

Helle Küche, stille Kammer,

In dem Hause wohnt mein Liebchen,

Und am Pförtchen glänzt ein Hammer.

Poch' ich, macht die Jungfrau auf!


[123] Guten Abend, guten Abend –

Lieber Vater, setzt euch nieder,

Ei, wo seid ihr dann gewesen?

Und dann singt sie schöne Lieder,

Kann so hübsch in Büchern lesen,

Ach! und ist mein einzig Kind.


Quelle:
Clemens Brentano: Werke. Band 1, München [1963–1968], S. 122-123.
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Clemens Brentano
EAN 9783843001199, 274 Seiten

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